Geschichtliches
Dieser Aufsatz, geschrieben 1942 von Helga Goertz geb. Dreyer erzählt eine Entstehungs- Geschichte von Oerrel. Frau Helga Goertz lebt heute in Hamburg und hat diesen Aufsatz aus Ihrer Schulzeit zur Verfügung gestellt.
Die Lage meines Heimatdorfes
Dort wo sich die Hankensbütteler Straße von der Hochfläche senkt, wo am Fuße des Hässelberges das Urstromtal der Ise liegt, wo der Heilige Hain mit seinen gespensterhaften Wacholdern steht, wo die Oerreler Schweiz im Sommer ihren violetten Heideteppich ausbreitet, wo der Hagen sich längs der alten Heerstraße hinzeiht, wo der Bauerbach aus seiner Quelle hervorsprudelt und bei der Twetsche seine Wendung nach südosten macht, wo des Abends ein geheimnisvolles Rauschen durch die uralten Eichen geht, da liegt mein schönes Heimatdorf Oerrel.
Wie Oerrel entstanden ist: Es war im 12. Jahrhundert. In dieser Zeit wanderten drei verwegene Abenteurer durchs Land. Sie waren noch sehr jung und wollten etwas erleben, um sich dann später im Osten anzusiedeln. So kamen sie auch in unsere Gegend. Um aber hier weiter zu kommen, mußten sie einen ziemlich großen Teich überqueren. Im Süde bildete ein Bach den Abschluß des Teiches und im Norden ein dichter Wald. Als sie aus ihrer Heimat auswanderten, hatten sie sich auch einige Rinder mitgenommen, um leben zu können. Nun wußten sie nicht, wie sie es anfangen sollten, um an die andere Seite des Teiches zu gelangen. Sie beratschlagten hin und her. Schließlich sagte Örtje, der eine der Burschen:
"Ik hevet all, ik weit ed. Ik swim mal äm dörch und kiek tau, wat anne anneren Site los is. Ju beide treckt mit dat Veih dörch den Busch dahint. Äber den Diek kann et nämlich nich swimmen. Denn versupt et - und we het garnise mehr."
"Um Himmels willen." leit sick de annern vernämen, "Örtje, Örtje, bliev bloß hier! Du geihst doch gewiß nuner! Du kanst doch nich swimmen!"
"Ach wat ju immer hat, you Bangebüsen. Lat mik man gans gewehren."
Und schon war er im Wasser. Was sollten die anderen beiden nun machen, sie riefen und schrien aus Leiberkräfte, aber Örtje kümmerte sich garnicht darum. Und da, was war das? - Örtje war nicht mehr zu sehen. Retten konnten sie ihn ja nicht, denn sie wußten ja nicht, wie sie es anfangen sollten, sich im Wasser weiterzubewegen. Nun hatten sie auch keine Freude mehr am Weiterwandern. Sie führten Ihr Vieh durch den Wald. Und an der anderen Seite des Teiches angekommen, sahen sie, daß sich hier schöne Wiesen ausbreiteten.
"Dat paßt üsch gode," sagte der eine zum anderen. "Hier wit wei üsch man dal laten. Use Veih hat Weide nauch und wei könnt uk schön läwen."
So bauten sie sich eine kleine Hütte und verließen diesen Platz nie mehr. Dem ertrunkenen Freund zu Ehren nannten sie den Teich und den daraus abfließenden Bach Örtje. Es siedelten sich hier immer mehr an, und so wurde aus dieser kleinen Siedlung, Örrtel und später Oerrel.
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